20-Jahr-Feier Geburtshaus München

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Eindrücke, Fotos, Rede von der Feier des Geburtshauses München am Samstag, 11. Oktober 2014 anlässlich des 20-jährigen Bestehens.

20-Jahr-Feier Geburtshaus München am 11. Oktober 2014


Gemeinsam mit Rechtsanwalt Sanjay Bakshi bekleide ich seit einigen Jahren das Ehrenamt des Vorstandes des "Vereins zur Förderung der selbstbestimmten Geburt e.V." In dieser Funktion hielt ich bei unserer Feier folgende Rede:


Liebe Hebammen, Liebe Gäste,

Was ist es, das uns immer wieder soviel Angst macht, wenn es um den Akt der Geburt geht?
Warum ist soviel Mutlosigkeit und Sicherheitsbedürfnis im Spiel,
Warum fragen sich Frauen vor der Niederkunft so Dinge wie:

  • Welcher Arzt wird da sein?
  • Wo bekomme ich das Baby?
  • Welche Schmerzmittel gibt es?
  • Wie soll ich mich darauf bestens vorbereiten?
  • Wann melde ich mich wo und in welcher Klinik an?

Vieles am Gebären ist unvorhersehbar. Der Akt der Geburt ist nicht vollständig planbar, Plan A, Plan B, im voraus organisieren, strukturieren, Zeitpläne erstellen, Abläufe perfektionieren, Modelle erstellen, Module abarbeiten, Excel-Tabellen, Krisenmanagement, Qualitätsmanagement, Optimierungsversuche, Kontrolle, Kontrolle,Kontrolle, Entschuldigung: Controlling...

Diese Werte bestimmen unser tägliches Leben, unsere Arbeit, unseren Umgang mit Problemen. Es hat sich so eingebürgert und bewährt.

Und dann ist da diese „Geburt“ die sich mit den Errungenschaften des Präcentralen Kortex, mit Hilfe unserer Großhirnrinde nicht ganz OPTIMAL in den Griff kriegen lässt.

Da ist dann diese Geburt, die soviel Angst macht.

Die andere Qualitäten verlangt, Qualitäten, die aus anderen Quellen stammen.

Gebären braucht Mut und Vertrauen auf Seiten der Frau und des Partners.
Gebären braucht Schutz und Verständnis von Seiten der Betreuer.
Und manchmal (laut WHO bei 8% aller Geburten) braucht es gute solide medizinische Hilfe wie Anästhesie und operative Maßnahmen.

Eine Kaiserschnittrate von 30% lässt erahnen: Da läuft was schief? ODER?

Aber das ist nicht Thema dieses Tages.

Geburt wird bestimmt und gesteuert von Hormonen, Oxitocin und Endorphin, am Anfang und am Ende auch Adrenalin, das Hormon der Angst.

Oxitocin ist das Hormon der Körperlichkeit, der Bindung,der Hingabe, des Vertrauens.

Oxitocin wird durch Berührung stimuliert. Es lindert Angst.

Oxitocin ist laut Hirnforscher: DER STOFF aus dem die LIEBE ist.

Fast müsste man beim Zustand dieser Welt, beim momentanen Aufbau der mannigfaltigen Feindbilder ausrufen: Herr, lass Oxitocin herabregnen auf die Häupter der Menschheit.

Der Anstieg des Oxitocins während einer normalen Geburt ist messbar, genau der gleiche wie der Anstieg des Oxitocins während des Geschlechtsaktes.

Ich persönlich würde mir wünschen, dass mehr Frauen die Geburt so erleben und gestalten dürften wie das „Liebe Machen“.

  • Es fängt im Kleinen an und endet im Großen.
  • Es ist leichter, wenn weniger Personen zuschauen.
  • In einer schönen Umgebung fühlt man sich wohler.
  • Ein Operationssaal kann störend wirken.
  • Es wäre schön, wenn Mann und Frau dabei gut zusammenfinden.
  • Es braucht Vertrauen und ein bisserl Hingabe.
  • Es geht in Wellen voran, der Atem wird tiefer, dann wird’s bisserl anstrengender...
  • ...und die Welle trägt bis zum Gipfel: WOW,das große Loslassen ist da.

Und dann:Entspannung! Geschafft! Oh Wunder der Menschheit!

Geburt und Liebe machen sind sich nahe.

Ich möchte jetzt nicht weiter mutmaßen, wie sich Ihr Sexleben nach dem 1. 2. oder 3. Kind verändert haben mag. Aber wir haben mit Staunen und Freude erlebt, dass auch 4. und 5. Kinder aus einer Beziehung im Geburtshaus zur Welt kamen, und den Paaren mit NUR einem Kind rufen wir zu: Die großen vor den Computer setzen, die Sendung mit der Maus googlen und ab ins Schlafzimmer, das ist der Ort, der früher Euch gehört hat. Und der hoffentlich so schön und geborgen ist wie unser
Geburtshaus.

Der Sexualakt und der Geburtsakt sind durch die gleichen Hormone eng verbunden und wie wir wissen, sehr sehr störungsanfällig. Aber auch das ist ein anderes Thema.

Heute geht’s um die Würdigung der Qualitäten: Mut und Vertrauen.

Sie alle haben Mut und Vertrauen bewiesen, Sie haben nicht nach der Norm entschieden, Sie haben einen Weg gewählt, der anders ist.

Sie alle haben Mut und Vertrauen bewiesen. Ich wünsche Ihnen , dass Sie diese Qualitäten weiterentwickeln und weitertragen.

Sie haben viel Oxitocin, also Liebe in diese Kinder fließen lassen. Sehr vereinfacht gesprochen wird das der Menschheit sehr sehr gut tun.

Und LIEBE KINDER, Ich setze große Hoffnungen in Euch...

AMEN